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Wenn der Wind leiser wird und das Feuer nur noch glimmt, dann erinnere ich mich.

Ich heiße Yve.

Ich bin eine Kriegerin

Nicht, weil ich den Kampf suche,

sondern weil ich gelernt habe, ihm standzuhalten.


Neben mir atmet Blue. Sein Atem ist tief und ruhig, trägt mein eigenes Atmen mit sich, bis wir denselben Rhythmus teilen.
Manchmal spüre ich die Wärme seiner Schuppen, lange bevor ich sie berühre.
Manchmal hebt sich mein Blick, noch bevor er den Kopf bewegt.
Viele sehen in ihm nur einen Drachen. Feuer. Größe. Gefahr.
Ich sehe den, der langsamer fliegt, wenn meine Schultern müde werden.
Den, der den Kurs hält, wenn ich die Augen schließe. Ich sehe meinen Weggefährten.

Wir sprechen nicht miteinander Wie Menschen es tun. Wir brauchen keine Worte. Ein Gedanke reicht. Ein Atemzug. Ein leises Grollen, das mir sagt: Ich bin da. Wenn ich wache, wacht er. Wenn ich zweifle, steht er fest. Und wenn ich ruhe, legt er den Kopf in meine Nähe, als würde er sagen:
Hier endet nichts. Hier beginnt es.

Am Anfang stand ich allein auf der Erde. Der Boden war fest unter meinen Stiefeln, mein Schwert vertraut in meiner Hand. Ich spürte mein Herz – ruhig, wach, bereit. Blue trat aus dem Schatten der Bäume. Kein Brüllen. Kein Zorn. Nur Nähe. Als ich meine Hand auf seine warmen Schuppen legte, wusste ich: Was immer kommt – wir gehen es gemeinsam. Wir flogen lange. Durch Nächte, in denen die Sterne uns begleiteten, durch Morgen, die in goldenem Licht erwachten. Manchmal hielten wir an. Ich saß am Feuer, steckte ein Hähnchen auf mein Schwert und ließ den Tag langsam vergehen. Der Rauch stieg auf, Blue ruhte in meiner Nähe, und alles war gut. Ich trank aus klaren Quellen, ließ Wasser über mein Gesicht laufen, stand unter kleinen Wasserfällen, während meine Rüstung glänzte und Müdigkeit von mir abfiel.

Dann sahen wir den Rauch. Nicht den ruhigen Rauch eines Feuers zum Wärmen, der nach Holz riecht und nach Zuhause. Sondern den dunklen, beißenden Rauch der Angst, der in der Luft liegt, als wolle er bleiben. Er stieg unruhig auf, zerrissen vom Wind, und selbst von oben war spürbar, dass etwas nicht stimmte. Unter uns lag ein kleines Dorf. Geduckt. Still auf eine Art, die nichts mit Frieden zu tun hat. Und über ihm kreiste ein Drache. Nicht wie Blue. Nicht wachsam. Nicht verbunden. Dieser war geboren aus Feuer und Zorn. Seine Schwingen schlugen hart, sein Atem verbrannte die Luft, lange bevor die Flammen den Boden berührten. Ich spürte, wie Blue langsamer wurde. Nicht aus Angst – sondern aus Aufmerksamkeit. Der Rauch brannte in meinen Augen, obwohl wir noch weit entfernt waren. Und in diesem Moment wusste ich: Wir würden nicht weiterfliegen.

Der erste Angriff war nur ein Tasten. Ein Messen. Der feindliche Drache war alt, seine Schuppen dick, sein Feuer heiß vor Hunger. Er wich aus, schlug zurück, zwang uns immer wieder zum Abdrehen. Blue trug mich durch Böen aus Hitze, durch aufsteigende Flammen, durch Luft, die kaum noch atembar war. Jeder Flügelschlag kostete Kraft. Ich spürte es in seinen Muskeln, so wie er meine Anspannung spürte. Wir griffen an. Zogen uns zurück. Kreisten. Wieder und wieder. Mein Arm wurde schwer vom Schwert. Meine Schultern brannten. Der Wind riss an mir, und mehr als einmal fragte ich mich, wie lange wir das noch konnten. Doch Aufgeben Kam mir nicht in den Sinn. Der Drache lernte. Er begann, unsere Wege zu lesen. Feuerstöße wurden gezielter, seine Wendungen schneller. Einmal traf uns die Hitze frontal – Mein Atem stockte, Blue brüllte, doch er hielt den Kurs. Ich änderte meine Angriffe. Nicht mehr frontal. Seitlich. Tiefer. Ich suchte Schwächen, beobachtete seinen Rhythmus. Blue verstand es sofort. Ohne Worte. Ohne Zögern. Wenn ich nach links wollte, öffnete er mir den Weg. Wenn ich ausholte, hielt er die Linie. Wenn ich zögerte, trug er mich weiter. Wir waren nicht zwei Kämpfer. Wir waren ein Gedanke. Minuten wurden zu Ewigkeiten. Mein Atem ging stoßweise. Meine Hände zitterten, wenn ich das Schwert neu fasste. Der Himmel war voll von Rauch Und kreisenden Körpern. Dann erkannte ich es: Der Drache wurde langsamer. Sein Feuer kam unregelmäßig. Seine Wendungen wurden schwer. Nicht besiegt – Aber müde. So wie wir. Ich sah Blue an. Nur ein Blick. Mehr brauchte es nicht. Er griff frontal an. Hart. Furchtlos. Zog die ganze Aufmerksamkeit des Feindes auf sich. Ich sammelte meine letzte Kraft. Nicht aus Wut. Nicht aus Angst. Aus Willen. Als ich sprang, war mein Körper leer und mein Geist klar. Der Rest War Vertrauen. Der Stoß saß. Nicht, weil ich stärker war. Sondern weil wir geduldiger waren. Weil wir zusammengehalten hatten. Weil wir nicht auf den schnellen Sieg gehofft hatten, sondern auf den richtigen Moment gewartet hatten.

Als der Drache fiel, sank ich auf die Knie. Mein Herz hämmerte. Meine Arme zitterten. Blue landete neben mir. Sein Atem ging schwer. Aber er lebte. Und wir hatten es geschafft.

Die Menschen jubelten. Nicht laut vor Übermut, sondern aus einer Erleichterung heraus, die sie kaum noch tragen konnten. Manche lachten, manche weinten, manche fielen einfach auf die Knie und hielten den Boden fest, als müssten sie sich vergewissern, dass er noch da war. Sie feierten uns, als hätten wir ihnen die Sonne zurückgebracht. Als hätten wir den Tag selbst wieder angezündet. Hände griffen nach mir, nicht fordernd, sondern dankbar. Berührungen voller Staunen, Blicke, die mehr sagten als Worte. Bald stand eine lange Tafel im Zentrum des Dorfes. Holz an Holz geschoben, Kerzen entzündet, Schüsseln gefüllt. Brot wurde gebrochen, Fleisch verteilt, Krüge gingen von Hand zu Hand. Ich saß zwischen ihnen, nicht erhöht, nicht getrennt, sondern mitten darin. Wir aßen gemeinsam, teilten Wärme und Geschichten, Lachen, das noch zögerte Und dann immer freier wurde. Kinder sahen mich an Mit Augen, in denen sich Mut neu formte. Die Ältesten hoben ihre Becher, langsam, würdevoll, und ihre Stimmen klangen ruhig, als sie dankten – nicht nur mir, sondern dem Leben selbst. Blue lag etwas abseits, groß und ruhig, sein Schatten schützend über den Rand des Dorfes gelegt. Er fraß, zufrieden, sein Atem tief und gleichmäßig. Manche Dorfbewohner beobachteten ihn noch vorsichtig, doch die Angst wich, Schale für Schale, Bissen für Bissen. Im Hintergrund wurden die letzten Feuer gelöscht. Zischend, dampfend, bis nur noch dunkle Stellen blieben und kein Rauch mehr in den Himmel stieg. Der Himmel selbst wurde klar. Sterne zeigten sich früh, als wollten sie sehen, was wir hier feierten. Und in diesem Moment War der Kampf weit weg. Nicht vergessen – Aber verwandelt. In Gemeinschaft. In Dankbarkeit. In einen Abend, der bleiben würde.

Als wir uns vom Dorf lösten, ließ ich den Jubel zurück wie ein Geräusch, das man hört, aber nicht mitnimmt. Blue stieg höher, weg vom Rauch, weg vom Lärm, hinein in die Nacht. Der Himmel öffnete sich über uns. Sterne lagen verstreut wie alte Erinnerungen. Der Wind war kühl, und ich lehnte mich an seinen Nacken, ließ mein Gewicht los. Er trug mich. Nicht nur mit seinen Flügeln, sondern mit einer Geduld, die nur jemand hat, der mich kennt. Wir sagten nichts. Wir mussten nichts sagen.

Ich spürte jeden seiner Atemzüge. Langsam wurden sie ruhiger. Gleichmäßig. So, als würde er mir sagen: Du bist sicher. Die Nacht war lang. Meine Arme waren schwer, mein Körper müde bis in die Knochen. Doch ich hielt mich nicht fest – Ich vertraute. Blue hielt Kurs, auch als meine Augen sich schlossen. Auch als der Himmel dunkler wurde Und die Kälte tiefer kroch. Er wusste, wohin wir flogen. Er wusste es immer.

Als das erste Licht den Horizont berührte, öffnete ich die Augen. Da war er. Der See. Glatt wie ein Versprechen. Der Wasserfall sang leise, wie er es immer tat. Die Wiesen waren sattgrün, der Wald atmete ruhig. Unsere Heimat. Blue senkte sich langsam. Kein dramatisches Landen. Kein Stolz. Nur Ankommen. Ich glitt von seinem Rücken Und meine Füße berührten den Boden, als würde die Erde mich begrüßen. Ich legte die Stirn an seine Schuppen. Warm. Vertraut. Lebendig. „Wir sind da“, flüsterte ich. Blue senkte den Kopf, so tief, dass ich ihn berühren konnte, und ein leises Grollen vibrierte durch ihn – nicht Kampf, sondern Zufriedenheit.

Ich ging ins Wasser. Der See nahm mich auf, kühl und ehrlich. Ich schwamm, ließ mich treiben, ließ alles von mir abfallen, was nicht mehr zu mir gehörte. Als ich zurückkam, saß ich auf der Treppe meiner Hütte. Die Sonne wärmte mein Gesicht. Blue lag vor mir. Sein großer Kopf ruhte nah an meinen Füßen, als wolle er sagen: Hier bleibe ich. Ich legte meine Hand auf ihn. Er schloss die Augen. In diesem Moment wusste ich: Nicht jeder Sieg endet mit Applaus. Manche enden Mit Stille, mit Nähe, mit Zuhause. Ich bin Yve. Und dies ist der Ort, an dem ich nicht kämpfen muss.

-ENDE-

Schlagworte: #die Heldin#Drachen#Fantasie#Kurzgeschichte

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